Städtisches Elsa-Brändström-Gymnasium München

Besuch eines mobilen Falkners

Getreu dem Motto „von lebendigen Tieren lernt man mehr als von leblosen Stopfpräparaten“, wurde im Rahmen des Natur-und Technikunterrichts am 27.04.16 der Berufsfalkner Wolfgang A. Schreyer aus Unterschleißheim an das Elsa-Brändström-Gymnasium eingeladen. In zwei Schulstunden präsentierte er den Schülerinnen und Schülern der Klasse 6b am Sportplatz fünf verschiedene Vogelarten: Lannerfalke, Afrikanischer Baumfalke, Mäusebussard, Steinadler und Uhu. Er berichtete Wissenswertes über die Jagd- und Flugtechniken der Vögel, sowie den Alltag eines Falkners. Im Anschluss ließ er sich bereitwillig von den Schülerinnen und Schülern interviewen (siehe unten). Der Besuch wurde finanziell durch eine großzügige Spende des Elsa-Fördervereins unterstützt.

 

Interview mit dem Falkner Wolfgang A. Schreyer (gekürzt)

(Durchgeführt von Adisa Jogíc, Louise Förstemann, Marcel Wellmann, Malak Jalal)

Adisa:
Welche Geschwindigkeit erreicht der schnellste Vogel der Welt?

Falkner:
Wanderfalken im Sturzflug erreichen Spitzengeschwindigkeiten von 396km/h.

Louise:
Stammen alle Ihre Vögel aus der Zucht, oder besitzen Sie auch Vögel aus freier Wildbahn?

Falkner:
Alle meine Vögel stammen aus der Zucht. Aus der freien Natur nehmen wir Falkner keine Vögel mehr.

Marcel:
Wieviel Freiflug haben Ihre Vögel?

Falkner:
Fast alle meine 13 Vögel haben täglich Freiflug. Das gehört zur artgerechten Haltung. Nur meinen Uhu kann ich nicht fliegen lassen, da dieser als Küken eine Augenentzündung hatte und nun nicht mehr erkennen kann wo er landen muss. Er würde er sich verletzen.

Malak:
Sind Ihre Vögel während eines Freiflugs schon mal weit weg geflogen?

Falkner:
Ja, das kommt aber selten vor. Einen Falken habe ich sogar verloren. Er wurde tot auf einem Balkon gefunden, da er gegen eine Fensterscheibe geflogen ist. Ein anderer Falke ist vormittags in Freising bei der Jagd auf Krähen entwischt und wurde abends mithilfe seines Senders in Bregenz geortet. Falken sind sehr ausdauernde Flieger.

Adisa:
Wie sind Sie zur Falknerei gekommen?

Falkner:
Infiziert mit der Falknerei wurde ich als Elfjähriger durch das Großziehen eines jungen Turmfalken. Dieses Erlebnis hat mich so fasziniert, dass ich nie mehr von den Greifvögeln losgekommen bin. Greifvögel  sind sehr beeindruckende Vögel, die mich völlig in ihren Bann gezogen haben. Ich habe „meinen Vogel“, wie man das so sagt.

Louise:
Haben sie sich schon vor diesem einschlägigen Erlebnis für Vögel interessiert?

Falkner:
Meine Familie und ich haben damals auf dem Land häufig verletzte oder schwache Tiere z.B. Eulen, Krähen, Marder oder Eichhörnchen gesundgepflegt und wieder zurück in die Freiheit gebracht. Solange ich denken kann haben wir irgendwelches Futter in irgendwelche Schnäbel und Münder gestopft damit die Tiere groß werden.   Diese schönen Erfahrungen haben meine Verbundenheit zu Tieren stark geprägt und ich möchte sie nicht mehr vermissen.

Adisa:
Besitzen Sie noch weitere Tiere außer den Vögeln?

Falkner:
Ich habe noch Frettchen, die ich für die Kaninchenjagd brauche und einen Jagdhund. Pflanzenfresser kann ich leider nicht gebrauchen! Also Häschen und so weiter wären bei mir fehl am Platz. (lacht)

Louise:
Wie teuer ist die Anschaffung eines Greifvogels?

Falkner:
Der Kauf z.B. eines Uhus beim Züchter kostet 400 Euro. Das ist nicht teuer, wenn man bedenkt, dass Uhus bei guter Pflege bis zu 50 Jahre alt werden können.

Marcel:
Bekommen Sie vom Staat Unterstützung für die Haltung von Vögeln?

Falkner:
Nein, natürlich nicht! Da musst du ja froh sein, wenn du eine Rente bekommst! (lacht)

Marcel:
Verdienen Sie ihr Geld ausschließlich mit Flugvorführungen?

Falkner:
Nein, ich arbeite auch mit Firmen zusammen. Z.B. bei Problemen mit Tauben oder Kaninchen helfe ich durch die Jagd mit meinen Greifvögeln. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und kann das nur empfehlen.

Louise:
Sind Vögel von Ihnen schon einmal schwer erkrankt?

Falkner:
Eigentlich werden die Greifvögel nur selten krank. Aber sollten sie doch erkranken, ist der Krankheitsverlauf oft schon weit fortgeschritten, so dass  es häufig zu spät für die Heilung ist.

Marcel:
Inwiefern bauen die Tiere eine Verbindung zu Ihnen auf?

Falkner:
Das ist unterschiedlich.  Mein Steinadler, der Schorschi, sieht mich als Partner und hat eine sehr enge Verbindung zu mir aufgebaut. Er würde nie eine andere Person als mich in seiner Voliere zulassen. Auch meine Tochter, mit der er bereits auf der Jagd war, würde er sofort schlagen wenn sie in seine Voliere kommen würde. Falken bauen eine weniger persönliche Verbindung auf und können schon nach zwei Tagen von einem anderen Falkner, insofern er das Handling beherrscht, geflogen werden. Das macht für mich auch das faszinierende bei der Falknerei aus. Das Band zwischen alkner und Greifvogel kann sehr dünn werden. Wenn ein Vogel von mir drei Tage verschwunden ist kann es sein, dass er mich nicht mehr erkennt.

Marcel:
Vielen Dank für das Interview!

Falkner:
Gerne, ich hoffe es hat euch gefallen!

Bericht von J. Junker

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