Städtisches Elsa-Brändström-Gymnasium München

Ethik 11/12

Integration – was ist das?

Das Fach Ethik am ELSA im Schuljahr 2011/12

Wer könnte schon genau sagen, was man unter „Integration“ eigentlich versteht? Um mit dem Bonner Ethiker Hartmut Kreß zu sprechen, geht es um ein „befriedetes Zusammenleben“ einzelner Menschen und Bevölkerungsgruppen im Rahmen einer staatlichen Rechtsordnung. Eine solche Rechtsordnung muss allerdings in der Lebenspraxis mit Kenntnissen und Erfahrungen erfüllt werden. Und da trägt unser Ethik-Unterricht sein Teil bei.

Die beiden Ethik-Gruppen der 5. Klassen klärten zunächst die Frage, was Ethik eigentlich ist. Anschließend beschäftigten sie sich in zahlreichen Diskussionen mit „Spielen und Lernen“ und reflektierten die Frage, wie wir in einer Gemeinschaft gut zusammenleben können. Ergänzend trainierten sie Wahrnehmung, u. a. anhand des humorvollen Werks „Das Austauschkind“ von Christine Nöstlinger. Das Thema „Bedürfnisse und Regeln“ wurde systematisch erarbeitet. Der teils recht unterschiedliche Entwicklungsstand unserer Jüngsten zeigte sich etwa bei Überlegungen zu Zufriedenheit, einem Gefühl, das den Kindern in je individueller Weise vertraut ist.

Das Thema „Islam“ beschäftigte die 7. Klassen. Dazu trat u. a. ein Lektüreprojekt „Falsch verbunden“ von R. L. Stine. Hier geht es um einen „schwierigen“ Jugendlichen, der nach einem dummen Telefonstreich sogar in den Verdacht gerät, einen Mord begangen zu haben. Durch die Solidarität und das Engagement seiner Schwester sowie ihrer Freundinnen gelingt es schließlich, diesen Verdacht zu entkräften.

Im Unterricht der 9. Klasse wählten die Schülerinnen und Schüler als Lektüre den Jugendbuchklassiker „Bitterschokolade“ von Miriam Preßler. Anhand von Erlebnissen der 15-jährigen Eva konnten Probleme des Erwachsenwerdens und der Beziehungen zwischen den Geschlechtern diskutiert werden.

Im Dezember 2011 beschäftigten sich die 10. Klassen im Rahmen eines fächerübergreifenden Projekts (zusammen mit kath. und evang. Religionslehre) mit Geschlechterrollen. Ein Vorbereitungspaket wurde im Unterricht bearbeitet; den Höhepunkt bildeten dann Besuche von Homosexuellen und Transvestiten in den Klassen. Die Zusammenarbeit mit dem „Aufklärungsprojekt München“ verlief absolut reibungslos und bereicherte in äußerst interessanter und lebendiger Weise unseren Unterricht. Dieses Projekt werden wir im nächsten Schuljahr mit den 9. Klassen durchführen.

Ein weiteres Projekt im Februar 2012 drehte sich um psychische Krankheiten. Ein Teil der Vorbereitung durch die Schülerinnen und Schüler bestand in einer Passantenbefragung, die trotz klirrender Kälte sehr erlebnisreich und informativ verlief. Auch hier rundeten Besuche von Teams aus Betroffenen und Fachleuten in den Klassen das Unternehmen ab. Die eingespielte Zusammenarbeit mit „BASTA“ (Bayer. Anti-Stigma-Aktion) bewährte sich erneut.

Beide Projekte leisteten einen wichtigen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen und von Berührungsängsten und trugen im Sinn einer Integration zu einem „befriedeten Zusammenleben“ bei.

Den Abschluss unseres Schuljahres bildete traditionell eine gemeinsame Fortbildungstagung der Fächer kath. und evang. Religionslehre sowie Ethik, hierzu waren auch benachbarte Schulen eingeladen. Unter dem Titel „Migration und Integration“ informierte uns Mahmut Gergerli von der „Internationalen Bildungsberatung“ der Stadt München u. a. über Erziehungsstile in Migrantenfamilien. Im kommenden Sommer wollen wir dieses Thema in einer gemeinsamen Fortbildung vertiefen unter dem Aspekt „Ethik der Integration im liberalen Staat“.

Ein „befriedetes Zusammenleben“ werden wir weiterhin im Ethik-Unterricht systematisch eintrainieren.

Werner Fuß (Fachbetreuung Ethik)