Städtisches Elsa-Brändström-Gymnasium München

Ethik 12/13

Dimensionen von Empathie – Das Fach Ethik am ELSA im Schuljahr 2012/13

„Kognitive Empathie lässt uns erkennen, was ein anderer fühlt. Emotionale Empathie lässt uns fühlen, was der andere fühlt.“ Dieses Zitat von Paul Ekman umschreibt zwei wichtige Dimensionen speziell des Ethik-Unterrichts. Sowohl das kognitive als auch das emotionale Moment von Empathie sowie geeignete Handlungsmodelle kamen in den unterschiedlichsten Unterrichtsvorhaben im Fach Ethik zum Tragen.

In den sechsten Klassen erarbeiteten sich die Schülerinnen und Schüler nach einer thematischen Einführung verschiedene Aspekte zum Judentum eigenständig. Anschließend gestalteten sie dazu eine Reihe von Stunden, in denen sie in einfallsreichen Präsentationen ihr Wissen den anderen vermittelten. Das Judentum wurde zudem in der Verbindung und Abgrenzung zum Christentum beleuchtet. Außerdem stzten sich die Jugendlichen intensiv mit dem Zusammenleben mit anderen und den dafür sinnvollen Regeln auseinander. Schließlich wurden die verschiedenen Modelle von „Familie“ und deren Funktion und Rolle in Antike und Gegenwart hinterfragt.

Das Thema „Islam“ beschäftigte die siebten Klassen. Den Wissenserwerb ergänzte im Sommer ein Moschee-Besuch zusammen mit den Religionsgruppen. Ein Lektüreprojekt „Alles Lüge“ von Anatol Feid zeigte Handlungsmöglichkeiten und -grenzen beim Auftreten von Drogenproblemen im persönlichen Umkreis.

Verantwortung – Liebe – Sexualität: Diese Stichworte aus dem Lehrplan für die 8. Klasse wurden im April 2013 sachkundig bearbeitet durch ein Team von „ProFamilia“; die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler sowie des Referententeams fiel durchwegs positiv aus. Einige Schülerinnen und Schüler regten eine geschlechtergetrennte Durchführung beim nächsten Mal an. Ein Lektüreprojekt „Asphalt Tribe“ von Morton Rhue erlaubte Einblicke in das Schicksal von Straßenkindern in New York.

Die 9. Klassen beschäftigten sich im Rahmen eines fächerübergreifenden Projekts (zusammen mit kath. und evang. Religionslehre) mit Geschlechterrollen. Ein Vorbereitungspaket wurde im Unterricht bearbeitet; den Höhepunkt bildeten dann Besuche von Homosexuellen und Transvestiten in den Klassen. Die Zusammenarbeit mit dem „Aufklärungsprojekt München“ verlief wie in den Vorjahren sehr positiv.

Der Ethik-Unterricht in den 10. Klassen orientierte sich in der Vorgehensweise weithin an den Erfordernissen der Oberstufe: Einer Einführung in die Wirtschaftsethik mit der Lektüre anspruchsvoller Fachtexte folgte eine intensive Beschäftigung mit medizinethischen Fragestellungen. Ein Projekt im Februar 2013 der 10. Klassen – in Zusammenarbeit mit kath. und evang. Religionslehre – drehte sich um psychische Krankheiten. Ein Teil der Vorbereitung durch die Schülerinnen und Schüler bestand in einer Passantenbefragung, die trotz klirrender Kälte sehr erlebnisreich und informativ verlief. Auch hier rundeten Besuche von Teams aus Betroffenen und Fachleuten in den Klassen das Unternehmen ab. Die eingespielte Zusammenarbeit mit „BASTA“ (Bayer. Anti-Stigma-Aktion) bewährte sich erneut.

Aus der Q 11 besuchten die Ethik-Gruppe sowie ein Kurs der kath. Religionslehre im Januar 2013 eine Veranstaltung der Akademie für poltische Bildung (Tutzing) im Bayerischen Landtag zum „Hungererlass“ aus dem Jahr 1942 des damaligen Bayer. Innenministeriums. In diesem Erlass wurde die Nahrungsmittelversorgung von Betreuungseinrichtungen wie Krankenhäusern, Altenheimen etc. geregelt, und zwar nach „Nützlichkeit“ der dort Versorgten. Hauptleidtragende waren damals die psychiatrischen Einrichtungen, deren Insassen per Erlass zum Verhungern verurteilt waren. In einer anschließenden gemeinsamen Unterrichtsstunde wurde die ethische Problematik dieses Vorgehens systematisch durchleuchtet und die Bedeutung von ethischen „Grenzpfosten“ jedes einzelnen unterstrichen.

Den Abschluss unseres Schuljahres bildete traditionell eine gemeinsame Fortbildungstagung der Fächer kath. und evang. Religionslehre sowie Ethik, hierzu waren auch benachbarte Schulen eingeladen. Unter dem Titel „Empathie in der Schule“ informierte uns Dr. Irina Spiegel von der Ludwig-Maximilian-Universität in München über Chancen und Möglichkeiten der Förderung bzw. Wiedergewinnung der Fähigkeit zu Empathie.

Werner Fuß

(Fachbetreuung Ethik)