Städtisches Elsa-Brändström-Gymnasium München

Ethik 13/14

Über den Alltag hinaus – Das Fach Ethik am ELSA im Schuljahr 2013/14

Der Unterricht im Fach Ethik versucht, die Schülerinnen und Schüler fit zu machen für die Herausforderungen der Zukunft, und zwar gerade für nicht alltägliche Situationen. Unsere Kinder und Jugendlichen sollen befähigt werden zu einem „werteinsichtigen Urteilen und Handeln“ (BayEUG Art. 47) weit über die Schule hinaus. Neben den Alltagsaufgaben im Ethikunterricht versuchen wir daher regelmäßig, zukunftsweisende und nachhaltige Akzente zu setzen.

So beschäftigte sich die 6. Klassen in einem Lektüreprojekt mit „So B. It“ von Sarah Weeks. In diesem Werk geht es um die 13jährige Heidi und deren geistig behinderte Mutter. Der Verfestigung von Vorurteilen gegenüber einem „Anders-Sein“ wird hier entgegengewirkt.

Das Thema Essstörungen beschäftigte die 7. Klassen im Rahmen eines Lektüreprojekts zu „Dann bin ich eben weg“ von Christine Fehér. Sehr eingängig beschreibt die Autorin die Erlebnisse einer 15jährigen, die sie zur Magersucht führten. Das Buch regte zu sehr lebhaften Diskussionen an.

Die 8. Klassen legten dieses Jahr einen Schwerpunkt auf ethisches Argumentieren und lernten etwa den weitverbreiteten, geradezu alltäglichen „Naturalistischen Fehlschluss“ zu durchschauen und damit auszuhebeln. Ein weiteres Thema war „Freundschaft“, hier ließen die Jugendlichen ihre Alltagserfahrungen hinter sich und weiteten ihren Blick durch philosophische Auffassungen von der Antike an. Unser alltäglicher Umgang mit Tieren, sei es als Nahrungsmittel, als Gesellschafter oder als Forschungsobjekt, wurde hinterfragt in einer Unterrichtsreihe zur Tierethik, ergänzt durch die keineswegs triviale Frage, inwieweit uns Menschen wirklich eine Sonderrolle innerhalb der Natur zukommt.

Im Februar beschäftigten sich die 10. Klassen im Rahmen des Themenbereichs „Medizinethik“ mit psychischen Erkrankungen. Wie auch in den Vorjahren kam es hier wieder zu einer engen Zusammenarbeit mit katholischer und evangelischer Religionslehre. Nach der Bearbeitung einschlägiger Materialien konnten – mit Unterstützung der Bayer. Anti-Stigma-Aktion – unsere Jugendlichen mit Fachleuten intensiv diskutieren und Betroffenen unmittelbar begegnen – eine keineswegs alltägliche Gelegenheit.

In der Oberstufe ergab sich die besondere Situation, dass von 20 Abiturientinnen und Abiturienten aus dem Ethikunterricht diesmal 14 sich einer mündlichen Prüfung im Fach Ethik unterzogen, in den Vorjahren waren es nur halb so viel. Dies zeigt, dass unsere Absolventen das Fach Ethik als integralen und „alltäglichen“ Teil der Abiturprüfung betrachten. Die gewählten Schwerpunktbereiche reichten von „Glückstheorien der Antike“ über „Utilitarismus“ bis hin zu „Ethik in der Medizin“.

Und weil eine Fachausbildung der Lehrkräfte im Fach Ethik auch über vierzig Jahre nach seiner Einführung an bayer. Schulen alles andere als alltäglich ist, versuchen wir, einen Ausgleich zu schaffen: Traditionell bildet eine gemeinsame Fortbildungstagung der Fächer kath. und evang. Religionslehre sowie Ethik den Abschluss unseres Schuljahres. Diesmal informierte uns Dr. Christian Hackbarth-Johnson über einen religionskundlichen Aspekt, nämlich den Buddhismus. Diese spirituelle Philosophie ohne Gott vermag auch heute, in unseren postreligiösen säkularen Gesellschaften Menschen Orientierung und Lebenssinn zu geben. Ein Durchgang durch die Phasen der Geschichte des Buddhismus gab einen Überblick über verschiedene Entfaltungen der Lehre, wie sie auch heute noch in den verschiedenen buddhistischen Schulen und Kulturen gepflegt wird. Schließlich wurde der Blick auf die gegenwärtige Entfaltung des Buddhismus im Westen gerichtet, insbesondere auf interreligiöse und säkulare Adaptionen.

Werner Fuß