Städtisches Elsa-Brändström-Gymnasium München

Aktivitäten 13/14

Die braune Falle – Ausstellungsbesuch im Innenministerium

Zum Abschluss unserer Beschäftigung mit dem „Dritten Reich“ besuchten wir, die Klasse 9b, am 2. Juli 2013 die Wanderausstellung „Die braune Falle“ im Bayerischen Staatsministerium des Innern. Die Ausstellung war nicht sehr groß, aber gut gemacht, mit vielen Informationstafeln, Bildern, Filmen und Musikclips sowie Schaukästen. Thematisch zeigte sie die Karriere und die Gedankenwelt typischer Rechtsextremisten, angefangen beim Einstieg über Aktionen bis hin zum schwierigen Ausstieg. Dabei war auch den Mordtaten des NSU einiger Platz eingeräumt. Außerdem standen uns Mitarbeiter des Verfassungsschutzes Bayerns und der Bundesrepublik zur Verfügung und klärten uns in Vorträgen und persönlichen Gesprächen über die aktuelle Situation des Rechtsextremismus auf. Denn allein im Bezirk Oberbayern leben rund 520 aktive Rechtsextreme, die in Parteien (NPD und DVU) oder anderen Gruppierungen in der Neonazi-Szene organisiert sind. Die Skinheads sind dabei ein Sonderfall, denn nicht alle sind rechts. Ein großer Teil sieht sich als unpolitisch oder ist sogar links orientiert. Insgesamt jedoch findet das rechtsextreme Gedankengut mit seinem Hass gegen Ausländer, Asylbewerber, Juden, Andersdenkende und Andersartige unter Jugendlichen immer mehr Anhänger.

Wie schnell und geradezu beiläufig der Einstieg in die Szene erfolgt, zeigte die Ausstellung sehr eindrucksvoll und auch erschütternd. Beispielhaft ließe sich der Weg so darstellen:

Du bist erst 16 oder 17 Jahre alt und mit der Schule fertig. Deine Eltern haben keine Zeit für dich und überhaupt interessiert es sie nicht, was du den ganzen Tag treibst. Sie unterstützen dich nicht bei deinen Plänen für die Zukunft und geben dir auch sonst keinen Halt. Und bei der Praktikumsbewerbung hat dir ein Ausländer den Platz weggeschnappt. An dieser Stelle suchst du dir neue Leute und Gruppen. Vielleicht sogar welche, denen es genauso geht wie dir. Dann liest du im Internet etwas über Events und Gruppentreffen, bei denen neue Mitglieder, „wahre Freunde“ gesucht werden. Deine neuen Freunde wollen sich um dich kümmern und behaupten, dass die Ausländer allen Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen. Dir fällt wieder das mit dem Praktikumsplatz ein. Du gehst zu einem dieser Treffen, dir wird Alkohol spendiert und es werden Hasslieder über Ausländer gesungen, während man dich wie einen Bruder behandelt. So schnell geht’s und du bist dabei. Du gehst jetzt immer auf Festivals mit lauter anderen Neonazis, machst Demonstrationen, provozierst, trinkst, schlägerst und machst andere in brutalen Aktionen fertig. Zuhause spielst du Computerspiele, wo man seine Gewaltphantasien gegen Ausländer und Juden so richtig ausleben kann.

Ein Ausstieg ist fast unmöglich und äußerst belastend, da dann die gesamte bisherige Welt zusammenbricht. Die bisherigen Freunde sind auf einmal Feinde, Wohnort und Arbeitsplatz (falls vorhanden) müssen gewechselt werden. Denn Neonazis lassen einen der ihren nicht ohne weiteres aussteigen. Sie beschimpfen, drohen und versuchen, einem das Leben zur Hölle zu machen. Dennoch ist man als Aussteiger nicht allein, da es Organisationen gibt, die helfen, ein neues Leben anzufangen und der „braunen Falle“ zu entkommen.

Lilian Göbel, 9b (Schuljahr 2012/13)

Michael Reher


Bayern nach der Wahl – Besuch im Bayerischen Landtag

Anlässlich der bayrischen Landtagswahl im letzten Jahr bekamen rund 20 Schüler der Q11 die Möglichkeit, etwas tiefer hinter die Kulissen der politischen Vorgänge unseres Bundeslandes zu blicken. Wir wurden von der bayrischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit zu einer Veranstaltung namens „Bayern nach der Wahl – Was erwarten wir von der Politik?“ eingeladen. Diese fand am 26.11.2013 im Maximilianeum statt und hatte das Ziel, die rund 200 eingeladenen Schüler in den politischen Dialog einzubinden und auch persönliche Fragen zu beantworten.

Zu Beginn wurden wir zu einer kleinen Einführung in den modernen Plenarsaal des Landtags geführt, wo wir Informationen zur Entstehung, Ausstattung und Funktion des Saals und Landtags bekamen.

Anschließend nutzten wir die Möglichkeit, uns mit ein paar Snacks zu stärken, bevor die Podiumsdiskussion, welche Hauptbestandteil des Abends war und sogar von BR Alpha gefilmt und ausgestrahlt wurde, anfing.

Im Senatssaal eingefunden, wurde das Wort, nach einer kurzen Begrüßung durch Frau Aures (Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags) an Herrn Dr. Parriger (Leiter der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München) weitergegeben, welcher einen moderierten Dialog zur politischen Situation nach der Wahl anführte. Hierzu waren Frau Prof. Dr. Münch (Direktorin der Akademie für Politische Bildung, Tutzing) und Herr Issig (Welt-Gruppe/Stv. Redaktionsleiter Bayern) geladen. Die Diskussion zeigte zum einen, wie bürgernah politische Entscheidungen sein können. Zum anderen glaubte man feststellen zu können, dass bei ausreichendem Interesse seitens der Teenager die Politik immer noch greifbar und verständlich sei. Der einzige Unterschied zu früher sei, dass es nun eine größere Auswahl an Parteien gebe, mit der sich die Jugend auseinander setzen müsse.

Nun ging die Moderation an Frau Wolf (Pressesprecherin des Bayerischen Landtags) über, welche vier Gäste zu sich auf die Bühne lud, um mit der Podiumsdiskussion zu beginnen. Anwesend waren Herr Böhm (Präsident des Bayerischen Landtags a. D.), Herr Prof. Dr. Gantzer, MdL (Alterspräsident des Bayerischen Landtags), Herr Scherer (Student der Hochschule für Politik, München) und Herr Wobst (Promotionsstudent der Ludwig-Maximilians-Universität München). Das Heruntersetzen des Wahlalters war hierbei ein Streitpunkt und wurde von den Gästen unterschiedlich bewertet. Die anwesenden Schülerinnen und Schüler jedenfalls befürworteten mehrheitlich den Vorschlag, das Wahlalter herabzusetzen. Im Rahmen der Diskussion kam auch die Frage auf, wie es möglich sei, sich schon in unserem Alter politisch zu engagieren. Die anwesenden Politiker schlugen vor, sich immer nah am politischen Geschehen aufzuhalten, hin und wieder einen Blick in die Zeitung zu werfen und keine Neugierde zu unterdrücken. Zum einen erzählten Sie uns von ihrem Karriereweg und diskutierten mit uns, ob die Höhe des Gehalts eines Politikers angemessen sei, wobei wir zu keiner Übereinstimmung kamen. Zum anderen wurden aber auch geschickte Wahlkampfmethoden diskutiert.

Das Schlusswort übernahm Herr Parriger mit einer Rede über die Staatsform der Demokratie, die laut ihm „nicht die beste, aber die beste aller möglichen“ sei. Außerdem rief er die Jugend auf, Mut zu haben, an der Politik mitzuwirken, eigene Interessen zu vertreten und diese durchzusetzen.

Nach dieser sehr interessanten und zugleich fordernden Veranstaltung wurden wir auf kulinarisch unerwartet hohem Niveau mit fünf ausgezeichneten Gängen gastfreundlich verwöhnt und erhielten die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit den geladenen Experten.

Christian Scholta, Q11


Dialog unter der Kuppel – Besuch in der Staatskanzlei

Jeder, der schon einmal im Münchner Hofgarten war, kennt wohl das Gebäude, welches sich hinter den Bäumen in den Himmel reckt: Die Bayerische Staatskanzlei mit ihrer einzigartigen Kuppel, unter der sich am 4. November 2013 einige Schüler und Schülerinnen der Q12 des Elsas eingefunden hatten, um einer Podiumsdiskussion über ökologische Nachhaltigkeit, das Ende des gesellschaftlichen Konsens und den „Egoismus der Gegenwart“ beizuwohnen.
Zuerst wurden wir von Christine Haderthauer begrüßt, der Leiterin der Staatskanzlei, welche dem Publikum die anderen Gesprächspartner vorstellte: Wolfram Weimer, der Moderator des Abends, Prof. Klaus Töpfer, Gründungsdirektor des Instituts für Klimawandel, und Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.
Gleich zu Beginn teilte Herr Töpfer, welcher laut Herrn Weimer auch der „gefühlte Bundespräsident“ genannt wird, uns seine Meinung mit, dass beim Thema Nachhaltigkeit die „Erhaltung der Schöpfung“ unser oberstes Ziel sein müsse. Herr Glück fügte hinzu, dass die Art, wie die deutsche Gesellschaft heutzutage lebe, weder wirtschaftlich noch ökologisch tragbar sei. Es bedürfe eines bewussteren Umgangs mit den Gütern, welche uns zur Verfügung stehen, letztendlich sollte eine „Kreislaufwirtschaft“ angestrebt werden, welche langfristig erst durch Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen möglich wäre.
Gut, dachten wir uns. Doch wie erreichen wir eine solche Nachhaltigkeit? Die Frage wurde auch gleich auf dem Podium behandelt, indem die Redner diskutierten, ob es denn einen „Moment der Angst“ bräuchte, um nachhaltige Änderungen zu erreichen. Hierzu meinte Herr Glück, dass die Menschen durch „Grenzerfahrungen“ schon jetzt merken würden, dass sie so nicht mehr weiter leben können. Frau Haderthauer erklärte uns, dass es anscheinend einen Wertewandel bei der Jugend gäbe, wonach sie nicht nur an angesehenen Stellen, sondern auch an Familie und einem sicherem Arbeitsplatz interessiert seien. Wir schauten uns verwundert an: Waren diese Werte davor nicht wichtig gewesen? Wann war denn dieser Wertewandel passiert, der uns anscheinend betraf?
Herr Töpfer, welcher lange Jahre in Afrika lebte, führte uns zum Thema zurück und stellte fest, dass wir nicht nur auf uns selbst acht geben müssten, wenn wir über Nachhaltigkeit reden. Es läge an uns, Technologien zu entwickeln, welche auch die Dritte-Welt-Länder benutzen könnten.
Als dem Publikum die erste Möglichkeit, Fragen zu stellen, geboten wurde, erklärte sich auch endlich der Name der Veranstaltung, oder zumindest ein Teil davon. „Dialog unter der Kuppel“ hieß sie ja schließlich, und nicht nur „Dialog auf dem Podium“.
Trotz mancher Verwirrung beim Beantworten der Fragen hoben sich einige interessante Aussagen aus der Diskussion heraus, wie zum Beispiel, dass die Regierung nicht einfach sagen könne: „Macht mal nachhaltig“, ohne der Bevölkerung Alternativen zu bieten. Auch die Feststellung, dass nicht nur wirtschaftlicher Fortschritt und Wachstum wichtig seien, sondern eben auch gesellschaftliche Werte, kam bei uns Schülern gut an.
Während des anschließenden Empfangs, der einige heimliche Verfolgungsjagden nach den Nudeln mit sich brachte, unterhielten wir uns angeregt über die Erkenntnisse des Abends. Zwar konnten wir nicht wirklich beantworten, ob gesellschaftlicher Konsens nun bei den Kosten endet oder nicht, aber wir hatten definitiv einiges über Nachhaltigkeit erfahren. Zwei Sätze blieben uns besonders im Kopf, da sie für alle Menschen gelten, ob jung oder alt, ob Schüler oder Mitglied eines Kreises für die Erhaltung bayrischer Essensqualität: Nachhaltigkeit hat eine vertikale, also über Generationen gehende, und eine horizontale, also länderübergreifende Achse, und es müssen beide beachtet werden, wenn wir wirklich nachhaltig leben möchten.

Jennifer Perryman, Q12


GG 19 – Ein guter Tag für die Demokratie

Kennen Sie Ihre Grundrechte? Welche gibt es überhaupt und wann nehmen wir sie in Anspruch? Am 26. März 2014 fand für die gesamte 10. Jahrgangsstufe der Projekttag „GG19: Ein guter Tag für die Demokratie“ statt. Wir versammelten uns mit gemischten Gefühlen in der Turnhalle, denn bei dem Thema Recht gehen die Meinungen auseinander. Die einen werden wahrscheinlich sagen: „Boah langweilig, trocken und so viel immer zum Auswendiglernen und verstehen tut man letztendlich eh nur die Hälfte,“ für andere hingegen ist es ein wichtiges und interessantes Thema. Doch schon allein, dass ein richtiges Podium mit Bühne und großer Leinwand aufgestellt war, machte das Ganze spannend. Wir wurden von den zwei Moderatoren, die uns durch den Tag begleiten sollten und die extra für dieses Projekt zu uns gekommen waren, herzlich begrüßt. Auch sie stellten uns zu allererst die Frage, was wir denn genau über unsere Grundrechte wissen würden und was für uns eine gute Demokratie sei. Zwar konnte jeder dazu seine Meinung über das Mikrophon abgeben, doch waren viele unsicher und wir begannen, die ersten Filme zu den Grundrechten Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung und Freizügigkeit anzusehen, um mehr darüber zu erfahren. Von der Möglichkeit, Fragen zu stellen, Meinungen zu äußern und gemeinsam zu diskutieren, wurde reger Gebrauch gemacht. Ein weiteres großes Thema war das „Asylrecht“, mit dem wir uns im Unterricht schon vorbereitend beschäftigt hatten. Jede Klasse hatte dazu etwas erarbeitet, um es dann an diesem Tag den anderen vorzutragen. Es war sehr interessant zu sehen, was die Parallelklassen vorstellten, z.B. lasen Schüler ihre selbstgeschriebenen Texte vor, in denen sie versuchten, aus der Sicht von Asylbewerbern zu erzählen und mögliche Gedanken, Gefühle oder Handlungen zu beschreiben. Als dritter Programmteil fand eine Podiumsdiskussion mit besonderen Gästen statt. Frau Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, Herr Müller, Stadtrat der SPD, und Herr Meier von der Pasinger Polizei nahmen sich an diesem Tag extra Zeit, um mit uns über Demokratie und Menschenwürde zu diskutieren. Zum Beispiel haben wir uns gefragt, ob Fernsehshows wie „DSDS“ oder „Dschungelcamp“ die Würde der teilnehmenden Menschen verletzten. Es war sehr interessant, die verschiedenen Meinungen zu hören, was manchmal sogar dazu führte, den eigenen Standpunkt noch einmal zu überdenken. Zum Abschluss wurde uns mit auf den Weg gegeben, wie wichtig es sei, Zivilcourage zu zeigen, Grundrechte auch mal zu hinterfragen und sich mit Politik zu beschäftigen. Denn nur so könne eine Demokratie, wie wir sie haben, bestehen bleiben.

Lucia Reussner, 10b